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Wine & Dine: Die Weinregion Bordeaux
7. November 2025 um 17:30 - 23:00
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Am 7. November trafen sich zum letzten Vereinsanlass 68 Weinfreunde/-innen im Restaurant Post in Bözen zum Thema: „die Weinregion Bordeaux“. Moderiert wurde der Anlass von den beiden Vorstandsmitgliedern Urs Treier und Ralph Schneiter. Ein sehr gelungenes Fünfgangmenu, zubereitet von Peter Heuberger’s Küchenteam, wurde von zehn verschiedenen Weinen begleitet. Die Weinfreunde Fricktal lernten auf ihrer kulinarischen Reise viel Wissenswertes kennen: Historisches, Geografisches, aber auch ein detaillierter Überblick zu den einzelnen Weinanbaugebieten des Bordelais, vom linken Ufer des Médoc, übers Entre-deux-Mers bis zum rechten Ufer, dem Libournais, zusammengetragen in einer praktischen Broschüre. Gestreift wurden auch wichtige Themen, wie die Besonderheiten der verschiedensten Bodentypen, der wichtige Einfluss des vom Atlantik geprägten Klimas, sowie der Einfluss aus all diesen Faktoren auf den Rebsortenspiegel, welcher fast schon wie die Lebensversicherung der Winzer anmutet. Kompliziert wurde es dann beim Klassifizierungssystem im Médoc, das bis 1855 zurückreicht, und erst recht, als das chaotisch anmutende Rangierungssystem im St. Emilion behandelt wurde. Fast mit Erleichterung nahm man dann zur Kenntnis, dass in der fast noch berühmteren Appellation Pomerol ein solches System gar nicht wirklich existiert.
Zum Apero wurden getoastete Brotscheiben mit Kräuter-Frischkäse oder mit Rillette gereicht. Dazu im Glas der frisch-fruchtige Malesan, ein Crémant de Bordeaux mit traditioneller Flaschengärung – eine aussergewöhnliche Assemblage aus Cabernet Franc und Sémillon-Trauben. Das Weingut gehört der Familie Castel, der Nr. 1 im Weinhandel in Europa. Zur ersten Vorspeise wurde eine Kürbiscrème-Suppe mit gefülltem Windbeutel serviert. Die beiden eingeschenkten Weine: ein Stahltank ausgebauter, frisch, fruchtig, unkomplizierter, sortentypischer Sauvignon Blanc aus dem Entre-deux-Mer, vom Château Bauduc, Jahrgang 2024 – und der Grand vin sec von Château Lafaurie-Peyraguey, Jahrgang 2022, aus dem Sauternes. Letzterer ein Verschnitt von gut 2/3 Sauvignon Blanc und 1/3 Sémillon, 5 Monate in teils neuen, teils gebrauchten Barriques ausgebaut. Dieser zeigte, nach guter Belüftung im Glas, dann doch Zitrus, ja fast sommerlich frische Aprikosennoten in der Nase und eine elegante Struktur im Gaumen. Das Sauternes-Weingut gehört dem Schweizer Unternehmer Silvio Denz. Seit der Übernahme im Jahr 2014 werden auch zwei trockene Weissweine produziert. Gespannt waren wir auf die Fortsetzung – denn zum Saucisse auf Lauchbett (Vegi-Variante mit Ofengemüse) wurden zum Vergleich zwei Rotweine vom rechten Ufer miteinander verglichen: beide aus dem Jahrgang 2016, beide mit fast identischem Rebsortenspiegel (~80% Merlot, ~20% Cabernet Franc), und vergleichbarem Holzeinsatz. Vom biodynamisch bewirtschafteten Weingut Fonroque aus dem St.Emilion, und im Vergleich Château La Pointe aus dem Pomerol. Tatsächlich offenbart der Pomerol die bekannte süsse Cremigkeit am Gaumen, florale Noten, Gewürze mit langem Abgang. Der Fonroque mit Saftigkeit, einer gewissen Mineralik und toller Frische. Ein Paradebeispiel des frischeren, eleganteren St.Emilion-Stils. Käsequiche im Zwischengang begleitete die beiden nächsten Rotweine. Der vielleicht etwas rustikalere, aber trotzdem tolle Château Camensac aus dem Haut-Médoc, Jahrgang 2018 im Vergleich zum ebenso 5ième cru classé Château Grand Puy-Lacoste, aus dem Pauillac, vom kolossalen Jahrgang 2010, aus der Magnum-Flasche. Meine leichte Nervosität, dass die Flaschen auch sauber sein mögen – bei Auktionsware immer ein gewisses Restrisiko dabei – wich dem ersten Gänsehaut-Moment des Abends…dicht gebaut, immer noch ausgeprägter Fruchtdruck, geschliffene Tannine, langes reiches Finale von schwarzen Johannisbeeren und Zedernholzwürze – grosses Weinkino in Perfektion!
Zum Hauptgang servierte uns das Küchenteam ein Roastbeef Bordelaise mit Rosmarinkartoffeln, Gemüse und die vegetarische Variante: Gemüsetaler an Schalotten-Rotweinsauce. Begleitet im Glas von Château Maléscot St.Exupéry (Margaux) und Château Langoa-Barton (St.Julien). Beide Weine, Jahrgang 2015, beide gleich klassifiziert (3ième cru classé), beide mit vergleichbarem Rebsortenspiegel (~50% Cabernet Sauvignon, ~40% Merlot, ~10% Cabernet Franc) und 12-14 Monate Ausbau in barriques. Auch hier stimmt die Theorie: der Margaux ist stilistisch weicher, geschliffener, der St.Julien zeigt zusätzlich eine subtile Würzigkeit im Abgang. Beide aus dem Top-Jahrgang 2015, beide mit intensiv konzentrierter Fruchtaromatik, einer betörenden Eleganz und Feinheit. Es hat sich gelohnt die Weine im Gewölbekeller kühl zu lagern bis kurz vor dem Soirée, damit die Frische bewahrt wird und nicht der Alkohol im Vordergrund steht. Den süssen Menuabschluss bildete ein leckerer Apfelkuchen mit Rahm. Und nochmals ein highlight im Glas. Auf einer Auktion ersteigert, Château Suduiraut, einem premier cru classé Weingut im Sauternes, Jahrgang 2010. Der Jahrhundertjahrgang 2010 ist einer der raren Jahrgänge, bei welchem alle drei Weintypen im Bordelais, hervorragend gelungen sind. Eine Assemblage von 80% Sémillon und 20% Sauvignon Blanc. Die von der Edelfäule befallenen Trauben wurden in 5 Durchgängen geerntet, der vergorene Wein reifte 24 Monate in 50% neuen barriques. Der Wein zeigte eine verspielte Süssigkeit, reife Aprikosennoten, dicht und füllig, und im Abgang getragen von einer herrlich stützenden Säure – grossartig.
Einziger Makel eines unvergesslichen Weinabends: mangels Zeitreserven musste leider auf einen Ausblick über die Zukunft im Bordeaux verzichtet werden. Das Bordelais kämpft mit grossen Problemen: Wetterkapriolen, massive Einbrüche in den Subskriptions- und Verkaufszahlen, leider z.T. auch wegen zu euphorisch gehypten Durchschnittsjahrgängen seitens des Handels, aber auch wegen sich zunehmend veränderndem Einkaufs- und Konsumverhalten der Bordeaux Weintrinker/-innen. Es besteht eine riesige Kluft zwischen den Top 100 Châteaux und dem grossen Rest, die sich im steten Überlebenskampf befinden – eine jahrzehntelang aufgeblähte Blase, die nun zu platzen droht. Weltklasseweine mit Geschichte und Tradition, Bordeaux – quo vadis ? Viele Herausforderungen werden in naher Zukunft aufkommen – auch ehrliche und bezahlbare Weine mit Herkunft und Charakter zu finden.. Unser Präsident, Urs Hofer, verdankte die beiden Co-Organisatoren Urs Treier und Ralph Schneiter – und ebenso viel Applaus gab es für Peter Heuberger und seine gesamte Küchenmannschaft, sowie das toll eingespielte Serviceteam vom Restaurant Post.
Ralph Schneiter (Vorstandsmitglied)
Für alle Bordaux-Liebhaber, hier der Link zur Infobroschüre der degustierten Weine:
Bordaux Degu Info Broschüre






