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Wine & Dine: Die Weinvielfalt Österreichs, Landgasthof Ochsen, Wölflinswil

14. März 2025 um 0:00

 Am 14. März trafen sich zum ersten Vereinsanlass 69 Weinfreunde/-innen im Landgasthof Ochsen in Wölflinswil zum Thema: „die Weinvielfalt Österreichs“. Als profunden Kenner und Moderator konnten wir Sascha Haenschke, Inhaber und Geschäftsführer der Weinhandlung Travino im solothurnischen Attisholz, gewinnen. Ein hervorragendes Fünfgangmenu, zubereitet von Jörg Lenzin’s Küchenteam, wurde von zehn verschiedenen Weinen begleitet. Die Weinfreunde Fricktal lernten auf ihrer Genussreise spannende facts kennen: Historisches, aber auch ein Rundgang durch die vielen Weinanbaugebiete, vornehmlich im Osten des Landes, sowie ein vielfältiger Sortenspiegel von einheimischen, wie international bekannten Rebsorten.

Zum Apero wurden Paprika- und Kräuterfrischkäse-Schnittchen gereicht. Dazu im Glas vom Weingut Stift Klosterneuburg aus der Region Wagram in Niederösterreich, der Klostersekt Brut, vom ältesten Weingut Österreichs (über 900 Jahre alt). Mit 108 ha Rebfläche gehört es zu den grössten und renommiertesten Weingütern des Landes. Der Sekt, eine Assemblage aus 60% Grüner Veltliner und 40% Welschriesling: 9 Monate auf der Hefe ausgebaut – zeigte delikate Fruchtaromen und eine feine Fülle am Gaumen.

Zur ersten Vorspeise wurde eine Fischterrine auf Kartoffelsalat mit dezenter Meerrettich (Kren) sauce serviert – und als vegetarische Variante ein Randentatar. Die beiden eingeschenkten Weine: ein Zierfandler „Gumpoldskirchen“ des Weinguts Gebeshofer aus der Thermenregion südlich von Wien, Jahrgang 2018 – und ein Roter Veltliner, Lage „Hinterberg“ des Weinguts Bauer, Jahrgang 2023, aus der Wagram in Niederösterreich. Der Zierfandler, von 60 Jahre alten Reben, zeigte Noten von exotischen Früchten, auch Zitrus, dicht am Gaumen, mit Druck und dezenter Mineralik im Abgang. Der Wein wurde 12 Monate im grossen Holzfass ausgebaut. Der deutlich jüngere Rote Veltliner dagegen mit fast schon reiferen Noten nach Orangenzesten, leicht nussig, zu Beginn fast rauchige Noten. Eine aussergewöhnliche und unerwartete Aromatik für einen jungen Wein. Die Trauben wurden scheints erst am 19. Oktober gelesen: der Ausbau erfolgte 4 Monate auf der Feinhefe.

Gespannt waren wir auf die Fortsetzung – denn zur Frittatensuppe (schweizerdeutsch: Flädli) wurden zum Vergleich zwei verschiedene Weissweine vom Grünen Veltliner (GV) eingeschenkt. Einerseits der GV „Kaiserstiege“, Jahrgang 2021, von Philipp Bründlmayer, dem Sohn des legendären Josef Bründlmayer aus dem Kremstal in Niederösterreich. Noten von reifem Apfel, sehr dezentem Pfefferl-Ton und eine lebendige Säure am Gaumen. Mit 12% v/v moderat im Alkohol. Andererseits der GV „Loibenberg“ Reserve 2023, vom Familienweingut Mauritiushof, Franz Josef Gritsch aus der Wachau in Niederösterreich. Noten von gelbem Kernobst, leicht herbwürzig, eine geradlinige Struktur, kraftvoll am Gaumen (der höhere Alkoholgehalt von 14% v/v ist klar spürbar). Einer der besten Nachwuchswinzer aus der Wachau.

Brot und Butter im Zwischengang begleiteten die beiden ersten Rotweine. Von der jungen Winzerin Julia Eichberger aus dem Weinviertel, 10km nördlich von Wien, genossen wir einen 2021er St.Laurent. Rubinrot im Glas, dunkle Kirschenfrucht in der Nase und im Gaumen. Elegant, feines Tannin, feinwürzig und ein fast schon verführerisches und fruchtsüsses finish. Die Holznoten sickern durch, der Ausbau erfolgte in gebrauchten Eichenfässern. Der zweite Wein im Glas, ein Zweigelt Rubin Carnuntum, Jahrgang 2022, von Lukas Markowitsch aus der Weinregion Carnuntum, südöstlich von Wien. Sortentypische Zwetschgenaromen, würzige Holznoten. Am Gaumen angenehm stoffig, gut integrierte Tannine und eine gute Länge. Der Wein erschien noch sehr jugendlich. Sascha erklärte uns, dass Zweigelt ja das „Kind“ ist der „Eltern“ Blaufränkisch und St.Laurent. Ein spannender fact auch, dass nur von einer Jury nach strengen Beurteilungen bezüglich Geschmack und Sortentypizität ausgesuchte Weine die Bezeichnung „Rubin Carnuntum“ im Namen tragen dürfen.

Zum mit Spannung erwarteten Hauptgang servierte uns das Küchenteam hervorragende Gerichte: einen Rinds-Rostbraten an cremigem Jus und die vegetarische Variante: Pilzstrudel. Beide Menus mit Serviettenknödel, Gemüsegarnitur und Röstzwiebel-Dekor garniert. Begleitet im Glas vom Merlot „Ungerberg“ Reserve, Jahrgang 2020, von Georg Preisinger aus Gols am Ufer des Neusiedlersees. Dunkle Kirschnoten, zarte Würzigkeit, schnörkellos und geradlinig, fast schon etwas schmalbrüstig für einen Merlot – die 18 Monate Barriqueausbau merkt man kaum. Der andere Wein eine Offenbarung. Ich konnte mich nicht genug satt riechen: dunkle Beerenfrucht, feine Röstaromen, sehr komplex und saftig mit süssem Körper, geschliffene Tannine, unglaubliche Länge – der Blaufränkisch „Goldberg“, Jahrgang 2019, von Silvia Heinrich aus Deutschkreutz im Mittelburgenland. Wir sind geografisch bereits über 100km südlich von Wien, fast an der Grenze zu Ungarn im Osten. Alle Reben mit südwestlicher Hangausrichtung. Tiefgründige Lehmböden mit hohem Kalkanteil. Der Wein wurde 36 Monate (!) in barriques ausgebaut. Ein Wein mit grossem Lagerpotential von sicher 10-15 Jahren und mehr.

Das Organisationsteam entschloss sich zum Menuabschluss für einen Käseteller mit Dörrfrüchtepüree und Früchtenussbrot statt eines klassischen österreichischen Desserts. Den Zuckerschock gabs ja schon im Glas dazu. Eine Trockenbeerenauslese (TBA) von Julia Eichberger (man erinnere sich an ihren St.Laurent vom Zwischengang), Jahrgang 2015 (!), aus 100% Welschriesling-Trauben. Leichtfüssig im Alkohol, 10.5% v/v. Von wegen Zuckerschock, perfektes Süss-Säurespiel, exotischer Fruchtsalat am Gaumen, Botrytis-noten, Orangengonfi, sehr komplex und aromatisch. Ich hätte den Wein wesentlich jünger eingestuft vom Jahrgang her.

Ein krönender Abschluss zu einem faszinierenden Wine & Dine. Unser Präsident, Urs Hofer, verdankte Co-Organisator Ralph Schneiter und den grossartigen Moderatoren und Österreich-Kenner Sascha Haenschke – ebenso viel Applaus gab es für Jörg Lenzin und seine Küchenmannschaft, sowie das famos eingespielte Serviceteam um Bianca.

Nächster Termin im Vereinskalender: Generalversammlung Freitag, 16. Mai auf dem Weingut Peter Büechli in Effingen.

       

     

Details

  • Datum: 14. März 2025
  • Zeit:
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